Redaktionsbeitrag

Interview mit TecArt zum Thema ERP 2018

Veröffentlicht am 14.03.2020

Matthias Weber im Gespräch mit Oliver Bärwolff, Produktmanager bei TecArt, zum Thema ERP 2018.

Interview mit
Oliver Bärwolff, Produktmanager bei TecArt,
zum Thema ERP 2018

Thema: Intelligente und Autonome Unternehmenssoftware (KI, Maschine Learning)

Wie weit wird eine Unternehmenssoftware im Jahr 2018 intelligente und autonome Entscheidungen treffen können?

Intelligenz und Autonomie sind Eigenschaften, die ich eigentlich nur (menschlichen) Lebewesen beimesse. Software-Algorithmen können trainiert werden, um auf bestimmten Situationen mit bestimmten Aktionen zu reagieren. Das sind Automatismen, die sich bis zu einem bestimmten Grad selbstständig entwickeln können. Im Gegensatz zur menschlichen Lernfähigkeit und Autonomie gibt es aber Grenzen, die der Entwickler setzt – und das ist auch gut so! Nach meiner Einschätzung wird sich Digitalisierung im Sinne von Automatisierung natürlich auch 2018 weiter entwickeln, zunächst um Standardprozesse und -aufgaben automatisch auszuführen. Später wird sich Software auch komplexeren Aufgaben widmen können, doch ich bin auch gespannt darauf, wie sich Software-Bugs auf diese automatisierten Prozesse auswirken werden.

Thema 2: Mobil-First Unternehmenssoftware (Cloud, webbasierte Software, Apps)

Sollten Softwarehersteller bei Unternehmenssoftware auch die Devise mobil-first haben?

Ja, unbedingt! Für TecArt war webbasierte Server-Software schon um das Jahr 2000 herum die einzig sinnvolle Art der Softwareentwicklung und deren Nutzung. Die Vorteile wiegen zu stark, um sich dagegen zu wehren. Man ist einfach unabhängig von Arbeitsplätzen, Endgeräten, Betriebssystemen und hat den aktuellen Datenbestand immer parat. Von Mitarbeitern wird Flexibilität und Serviceorientierung schon seit Ewigkeiten gefordert, doch bei Software kommt das erst jetzt?! Client-Software wird mehr und mehr zum Nischenprodukt für Spezialanwendungen. Die mangelhafte Versorgung mit Breitbandanschlüssen ist ein Flaschenhals.

Thema 3: Kollaborative Unternehmenssoftware (Virtual Reality, Chatbots, Unified Communications)

Wird Unternehmenssoftware bereits 2018 interaktiver oder braucht es dafür weiterhin separate Tools?

Der Einsatz dieser Technologien muss auch 2018 im Einzelfall auf Sinnhaftigkeit und Nutzwert für den Kunden hin bewertet werden. Unified Communication macht bei Unternehmensanwendungen Sinn, wenn Teams zusammenarbeiten und mit externen Bezugsgruppen interagieren – diese Funktionalität findet sich bereits heute bei vielen CRM– und ERP-Anwendungen. Chatbots dienen als Marketing-Tool und evtl. noch für das Service-Management, wobei persönlicher Kontakt aus meiner Sicht ein Merkmal für Servicequalität ist und bleiben wird. Auch hier stellt sich mir die Frage nach den Auswirkungen von Software-Bugs im Praxisalltag. Aus meiner Sicht sind rare Entwicklerressourcen bei anderen Themen rund um ERP und CRM besser investiert. Vor dem Thema VR und AR stehen Digitalagenturen weltweit mit einem Fragezeichen über dem Kopf und suchen fieberhaft nach der „Killeranwendung“, die dieser Technologie zum Durchbruch verhilft. Auch mir fehlen geeignete Business-Cases im Bereich ERP und CRM. Ich wage eine steile These: Virtual Reality wird sich auch 2018 nicht durchsetzen und später sogar vielleicht ganz vom Markt verschwinden – eventuell wird diese Technik später dann wiederbelebt.

Thema 4: Vernetzte Unternehmenssoftware (IoT, API, Industrie 4.0)

Frage: Wie stark wird sich Unternehmenssoftware kurzfristig vernetzen lassen, um die künftigen Datenmengen aus IoT & Co. zu bewältigen?

Mein Tipp lautet: Von „Big-Data“ zu „Smart-Data“! Zu einer vernünftigen Bedienbarkeit gehört dazu, dass der Anwender nicht mit Daten und Informationen überladen wird, mit denen er nichts anfangen kann. Nach diesem Prinzip würde ich auch ein Softwareprojekt beraten; es sind längst nicht alle Daten für alle Business-Softwaresysteme relevant. So kann es sein, dass sich eine vermeintlich große Datenmenge aus IoT oder/und Industrie 4.0 am Ende „geschmeidig“ auf via API verbundene Systeme wie ERP, CRM oder Online-Shop verteilt und dort strukturiert in den Arbeitsprozess einfließt. Doch kein Zweifel: Die Vernetzung und Integration von Systemen und deren Daten war wichtig und bleibt auch wichtig.

Thema 5: Hacker-sichere Unternehmenssoftware (Blockchain, DSGVO)

Werden 2018 die Hackerangriffe auf ERP-Systeme steigen?

Ganz sicher, ja. So wie die Zahl und Intensität der Angriffe auf IT-Systeme in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, so werden sie auch in 2018 mit zunehmender Digitalisierung steigen. Nach meiner Einschätzung wird IT generell und IT-Security im Speziellen in vielen Unternehmen noch immer stiefmütterlich behandelt. Das hat viele Gründe, u.a. weil die IT-Welt für viele etwas sehr Abstraktes ist und entsprechendes Verständnis fehlt. Das bedingt, dass diesem Thema wenig Bedeutung zugemessen wird, zudem ist unser Fortschritt in der Digitalisierung den vorhandenen Fachkräften zu weit voraus. Was den Datenschutz betrifft, mangelt es nach wie vor bei zu vielen Angeboten an einer entsprechenden Compliance. Hier ist noch immer viel Grundlagenarbeit zu tun, und da haben wir über solch spannende Projekte wie die Blockchain – als eine große Chance für mehr Sicherheit und Transparenz bei Online-Transaktionen – noch gar nicht gesprochen.


Autor: Oliver Bärwolff – TecArt Produktmanager

Als technikinteressierter Quereinsteiger in die IT-Branche kennt Oliver Bärwolff die Herausforderungen, die Außenstehende mit dem Thema IT haben. Sein Ziel ist es, die Potenziale die Unternehmen durch Business Software haben, verständlich und interessant zu gestalten, damit diese auch genutzt werden. Nicht zuletzt durch sein Studium der Kommunikationswissenschaften und Unternehmenskommunikation betrachtet er Software und IT als ein wichtiges Medium zur Erreichung von strategischen und operativen Unternehmenszielen. Als ERP&CRM-Experte ist Oliver Bärwolff Mitglied des internen Strategie-Teams und des Produktmanagements.