Redaktionsbeitrag

Interview mit Scheer zum Thema ERP 2018

Veröffentlicht am 13.10.2018

Matthias Weber im Gespräch mit Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH zum Thema ERP 2018.

Interview mit Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH zum Thema ERP 2018

„Es wird in Zukunft zu den wichtigen Aufgaben gehören, die automatisierten Prozesse zu überwachen und gegebenenfalls auch automatisiert korrigierend einzugreifen!“

Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH

Thema: Intelligente und Autonome Unternehmenssoftware (KI, Machine Learning)
Frage: Wie weit wird eine Unternehmenssoftware im Jahr 2018 intelligente und autonome Entscheidungen treffen können?

Das Treffen intelligenter autonomer Entscheidungen durch Software wird der nächste große Schritt bei der Automatisierung von Prozessen sein. Im Jahr 2018 werden sich, insbesondere im Bereich RPA (Robotic Process Automation) erste intelligente Software-Roboter etablieren. Entscheidend für den Erfolg von RPA wird es sein, das Erstellen von Software-Robotern so zu vereinfachen, dass diese Technologie Unternehmen in der Breite zugänglich wird. Hier werden insbesondere selbstlernende Software-Roboter eine Rolle spielen.

Die zunehmende Automatisierung von Entscheidungen verursacht allerdings auch Ängste. Aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen getroffen werden müssen, ist eine weitergehende Automatisierung für Unternehmen aber unumgänglich um wettbewerbsfähig zu bleiben. Den Besorgnissen kann man mit Hinweis auf die aktuellen Entwicklungen im Bereich Process Mining und KI überzeugend begegnen, denn diese bieten die notwendigen Lösungen zur intelligenten Überwachung automatisierter Vorgänge. Fazit: Es wird in Zukunft zu den wichtigen Aufgaben gehören, die automatisierten Prozesse zu überwachen und gegebenenfalls auch automatisiert korrigierend einzugreifen.

Thema 2: Mobil-First Unternehmenssoftware (Cloud, webbasierte Software, Apps)
Frage: Sollten Softwarehersteller bei Unternehmenssoftware auch die Devise mobil-first haben?

Das Thema „mobile“ wird in 2018 eine selbstverständliche Funktion von Unternehmenssoftware sein und daher stark in den Hintergrund treten. Als Hype-Thema wurde es bereits durch das Thema „KI“ abgelöst. Insofern stellt sich für Softwarehersteller die Frage „mobile-first“ nicht mehr, da alle Funktionen auch, soweit technisch möglich, mobil zur Verfügung stehen müssen. Features für die Unterstützung mobiler Szenarien werden somit zu einem generellen Bestandteil der Produkt Roadmap, einen USP stellen sie in 2018 nicht mehr dar.

Thema 3: Kollaborative Unternehmenssoftware (Virtual Reality, Chatbots, Unified Communications)
Frage: Wird Unternehmenssoftware bereits 2018 interaktiver oder braucht es dafür weiterhin separate Tools?

Im Bereich der kollaborativen Unternehmenssoftware wird es im Jahr 2018 starke Veränderungen geben. Technologien, die aktuell eher in den Bereichen Forschung und Gaming beheimatet sind, werden zunehmend bei Unternehmenssoftware eingesetzt werden. Im Unternehmensbereich wird sich der Trend stark zu augmentierten Inhalten entwickeln, da Augmented Reality im Business-Bereich i. d. R. einen größeren Nutzen als Virtual Reality generieren kann. Eine besondere Chance besteht hierbei in der Kombination dieser Technologien mit Big Data und den Techniken der KI, da hierdurch alle drei relevanten Themengebiete – Datenaufbereitung, Präsentation und intelligente Empfehlungen – abgedeckt werden können.

Thema 4: Vernetzte Unternehmenssoftware (IoT, API, Industrie 4.0)
Frage: Wie stark wird sich Unternehmenssoftware kurzfristig vernetzen lassen, um die künftigen Datenmengen aus IoT & Co. zu bewältigen?

Das technische Problem der Vernetzung von Unternehmenssoftware (sowohl innerhalb der Unternehmen als auch zwischen ihnen wie auch mobil) kann heute als gelöst betrachtet werden. Probleme gibt es in Deutschland jedoch nach wie vor beim Ausbau der Netze. Hier müssen wir weiterhin, insbesondere gegenüber der Politik, auf die Wichtigkeit einer flächendeckenden Versorgung hinweisen.  Im Bereich IoT gibt es heute eine ganze Reihe von technischen Plattformen, die die unterschiedlichsten „Things“ anbinden und verwalten können. In 2018 wird sich der Schwerpunkt daher eher weg von der Technologie, hin zu IoT-Anwendungsszenarien verlagern.

Thema 5: Hacker-sichere Unternehmenssoftware (Blockchain, DSGVO)
Frage 5: Werden 2018 die Hackerangriffe auf ERP-Systeme steigen?

Der generelle Trend des Anstiegs der „Internetkriminalität“ wird sich fortsetzen. ERP-Systeme stellen hier keine Ausnahme dar. Die eigentliche Frage für die Zukunft wird jedoch sein, wie sich die Auswirkungen solcher Angriffe begrenzen und kontrollieren lassen. Gerade durch die zunehmende Automatisierung von Entscheidungen wird es immer herausfordernder gegenzusteuern, bevor durch den Angriff relevante Schäden entstehen. Als Beispiel seien hier die sog. Flash Crashs genannt, die uns vor allem im Rahmen von Kurseinbrüchen an den Börsen im Gedächtnis geblieben sind. Einen möglichen Ausweg bieten hier wiederum  Techniken aus den Bereichen AI und Process Mining: Wenn wir die Entscheidungen automatisieren, müssen wir auch die Überwachung und Gegenmaßnahmen automatisieren.


Das Interview wurde schriftlich mit Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH geführt.

Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH
Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH

Über Mario Baldi:

Neben der Gesamtverantwortung für das Unternehmen legt Mario Baldi als CEO der Scheer GmbH einen deutlichen Schwerpunkt auf den Ausbau der Vertriebs- und Marketingorganisation. Mario Baldi verfügt über rund 25 Jahre Erfahrung in Führungspositionen in der IT-Industrie, davon knapp zehn Jahre als Vertriebsleiter bei SAP Deutschland, SAP SI/SAP Hosting und TDS. Der 47-jährige studierte Wirtschaftswissenschaftler verantwortete bei SAP Deutschland als Head of Sales EMEA für sieben Market-Units den Aufbau einer starken Vertriebsorganisation. Mario Baldi verfügt über langjährige Markt- und Managementerfahrung, besondere Vertriebskompetenz und ein großes internationales Netzwerk.

Über die Scheer GmbH:

Die Scheer GmbH unterstützt als Consulting- und Software-Haus Unternehmen bei der Entwicklung neuer Businessmodelle, bei der Optimierung und Implementierung effizienter Geschäftsprozesse sowie beim verlässlichen Betrieb ihrer IT. Das Digital Solution House als integrierte Architektur von Beratungslösungen und Produkten bietet verlässliche Lösungen für die Digitalisierung von Geschäftsmodellen und Prozessen sowie für den Einsatz neuer Technologien im digitalen Business.