Redaktionsbeitrag

Interview mit Scheer zum Thema Enterprise Application Software 2019 – Was passiert im Bereich Unternehmenssoftware?

Veröffentlicht am 12.12.2018

Matthias Weber im Gespräch mit Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH, zum Thema Enterprise Application Software 2019 – Was passiert im Bereich Unternehmenssoftware?

5 Fragen an Scheer GmbH zum Thema Enterprise Application Software 2019 – Was passiert im Bereich Unternehmenssoftware?

Auf unsere 5 Fragen zum Thema Enterprise Application Software 2019 – Was passiert im Bereich Unternehmenssoftware? gibt uns Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH, Antworten.

Frage 1: Wie wichtig sind agile Software-Architekturen für Unternehmenssoftware?

Software wird heute generell von agilen Teams entwickelt, also von Teams deren Vorgehen die schnelle Erzeugung von ersten Ergebnissen zum Ziel hat und auf ein dynamisches Verhalten gegenüber Änderungen ausgelegt ist. Um in diesen agilen Teams auch langfristig mit berechen- und vertretbaren Kosten Software entwickeln zu können, stellt die Software-Architektur einen entscheidenden Faktor dar: sie muss ebenso agil ausgelegt sein, wie die Arbeitsweise des Teams. Insbesondere muss die die Software-Architektur eine sehr gute Modularisierung gewährleisten und schnelle Änderungen ermöglichen. Andernfalls wird die Agilität des Teams ausgebremst und es entstehen Mehrkosten durch die Anpassung der Architektur sowie durch Projektverzögerungen. Ebenso reduziert eine agile Architektur den  Aufwand für neue Features.

Agile Software-Architekturen sind also nicht nur wichtig bei der Entwicklung von Unternehmenssoftware, sondern geradezu eine zwingende Voraussetzung für erfolgreiche agile Vorgehensweisen.

Frage 2: Inwieweit wird die Unterstützung von digitalen Ökosysteme in Unternehmenssoftware zum Standard?

Digitale Ökosysteme führen zu völlig neuen Geschäftsmodellen bei denen Unternehmen mit Partnern zusammen arbeiten, die überall auf der Welt ansässig sein können. Da digitale Geschäftsmodelle die klassischen Modelle immer weiter in den Hintergrund drängen, wird für Unternehmen die Auseinandersetzung mit digitalen Ökosystemen zwingend und damit zunehmend zum Standard.

Auch wenn bei modernen Softwaresystemen Features für digitale Kollaboration, Vernetzung, Information und generell Kommunikation zunehmend zum Standard gehören, so tun sich viele Systeme im Bereich klassischer Unternehmenssoftware damit bis heute sehr schwer. Hierdurch kommt modernen digitalen Collaboration- und Process Automation-Plattformen eine zentrale Rolle bei der Unterstützung von digitalen Ökosystemen in Unternehmen zu. Mit solchen Plattformen wird es möglich, auch bestehende Systeme um die notwendigen Features für moderne digitale Geschäftsmodelle zu erweitern, ohne diese ablösen zu müssen. Hierbei kommen, neben Technologien wie System Integration und Process Automation, auch vermehrt Techniken wie RPA (Robotic Process Automation) zum Einsatz.

Frage 3: Wie wird sich in Zukunft die Datenverarbeitung hin zu einer smarten Datenverarbeitung verändern, so dass diese der neuen Flut an Daten gerecht wird?

Das technische Problem der Vernetzung von Unternehmenssoftware kann heute als gelöst betrachtet werden. Das gilt sowohl innerhalb der Unternehmen als auch zwischen ihnen sowie auch mobil. Hierdurch ist der Weg für eine smarte Datenverarbeitung geebnet und dieses Thema wird zunehmend aus der fachlichen Perspektive entschieden werden: Welche Anwendungsfälle lassen sich in welcher Form so unterstützen, dass sie einen echten Mehrwert für Unternehmen bewirken?

Eine Schlüsselrolle wird den bereits etablierten Data Analytics Verfahren in Kombination mit Big Data und den Techniken der Künstlichen Intelligenz (KI) zukommen. Hierdurch werden alle drei relevanten Themengebiete – Datenaufbereitung, Präsentation und intelligente Empfehlungen – abgedeckt.

Frage 4: Wie lang wird es noch dauern bis Lösungen für Künstliche Intelligenz in Unternehmenssoftware flächendeckend angeboten werden?

Das Treffen intelligenter autonomer Entscheidungen durch Software wird der nächste große Schritt bei der Automatisierung von Prozessen sein. Derzeit etablieren sich, insbesondere im Bereich RPA, erste intelligente Software-Roboter. Entscheidend für die flächendeckende Verbreitung von KI wird es sein, die Verwendung von KI-Services und Software-Robotern weiter zu vereinfachen. Ebenso müssen die notwendigen Daten (qualitativ und quantitativ) zur Verfügung gestellt werden, da diese die Basis für ein erfolgreiches Training der KI sind.

Die zunehmende Automatisierung von Entscheidungen führt an der einen oder anderen Stelle auch zu Besorgnissen. Aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen in Unternehmen getroffen werden müssen, ist eine weitergehende Automatisierung aber schon aus Wettbewerbsgründen unumgänglich. Entscheidend wird es dabei sein, eine intelligente Überwachung der Vorgänge zu etablieren, um automatisiert korrigierend eingreifen zu können.

Frage 5: Wird Robotic Process Automation künftig eine Standard-Funktion in Unternehmenssoftware sein?

In vielen Unternehmen ist RPA heute bereits etabliert. Die Unternehmen setzen hierzu RPA-Plattformen ein, die genau auf dieses Anwendungsfeld zugeschnitten sind und auf die Erstellung und den Betrieb von Software-Robotern spezialisierte Funktionen und Services anbieten. Dennoch bestehen auch bei RPA-Plattformen Schwächen, wenn es um die Integration vieler Systeme mit Massendaten geht oder auch um die Digitalisierung von Human Workflows (z. B. Formulardigitalisierung). Unternehmen sollten eine ganzheitliche Strategie für die Prozessautomatisierung verfolgen, die alle drei Themen – also klassische Prozessdigitalisierung/-automatisierung, Systemintegration und RPA – beinhaltet.

Zur Umsetzung einer solchen Strategie bietet sich ein Best-of-Breed-Ansatz mit Tools führender Hersteller oder der Einsatz einer Produktsuite, die alle notwendigen Funktionen beinhaltet, an. Insofern lautet die eigentliche Frage, die Unternehmen sich stellen sollten eher: „Können Unternehmen es sich künftig noch erlauben, auf eine weitergehende Automatisierung unter Einsatz aller verfügbaren Techniken – wie Process Automation, RPA und AI – zu verzichten?“

Über Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH

Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH
Neben der Gesamtverantwortung für das Unternehmen legt Mario Baldi als CEO der Scheer GmbH einen deutlichen Schwerpunkt auf den Ausbau der Vertriebs- und Marketingorganisation. Mario Baldi verfügt über rund 25 Jahre Erfahrung in Führungspositionen in der IT-Industrie, davon knapp zehn Jahre als Vertriebsleiter bei SAP Deutschland, SAP SI/SAP Hosting und TDS. Der 48-jährige studierte Wirtschaftswissenschaftler verantwortete bei SAP Deutschland als Head of Sales EMEA für sieben Market-Units den Aufbau einer starken Vertriebsorganisation. Mario Baldi verfügt über langjährige Markt- und Managementerfahrung, besondere Vertriebskompetenz und ein großes internationales Netzwerk.

Die Scheer GmbH unterstützt als Consulting- und Software-Haus Unternehmen bei der Entwicklung neuer Businessmodelle, bei der Optimierung und Implementierung effizienter Geschäftsprozesse sowie beim Betrieb ihrer IT. Das Digital Solution House als integrierte Architektur von Beratungslösungen und Produkten bietet verlässliche Lösungen für die Digitalisierung von Geschäftsmodellen und -prozessen sowie für den Einsatz neuer Technologien im digitalen Business. Die Scheer GmbH ist das Flaggschiff-Unternehmen der Scheer Gruppe, die mit 1000 Mitarbeitern in verschiedenen Ländern  Europas sowie in den USA, in Saudi Arabien, in Singapur und in Australien mit Standorten vertreten ist. Kunden profitieren von tiefer Branchen- und Prozesskompetenz aus vielfältigen Beratungsprojekten, umfassender IT-Expertise in der Umsetzung und der Möglichkeit, einzelne Anwendungen oder ganze IT-Architekturen im Scheer-Rechenzentrum betreuen zu lassen. Der Professor für Wirtschaftsinformatik und Unternehmer August-Wilhelm Scheer ist Alleingesellschafter und Beiratsvorsitzender der Scheer GmbH.