Redaktionsbeitrag

Low Code: Flexible Software sorgt nachhaltig für zufriedene Mitarbeiter

Veröffentlicht am 20.05.2019

Matthias Weber im Gespräch mit Christophe Loetz, Gründer der Compex Systemhaus GmbH, zum Thema Low Code und dessen Auswirkungen auf Arbeitsumgebung und Mitarbeiterzufriedenheit.

6 Fragen an Compex Systemhaus zum Thema Low Code – Auswirkungen auf Arbeitsumgebung und Mitarbeiterzufriedenheit

1. Welche Anforderungen stellen die Mitarbeiter von morgen an ihre Arbeitsumgebung?

Es gibt eine Konstante, wenn Sie eine Nutzeroberfläche so gestalten wollen, dass sie von ihren Mitarbeitern gut angenommen wird: Sie muss ihrer tatsächlichen Arbeitsweise entsprechen. Die Mitarbeiter wollen weder von unergründlich vielen Möglichkeiten erschlagen werden, noch empfinden sie reine Spielereien dauerhaft als angenehm. Sondern sie wollen für ihre jeweilige Aufgabe die passenden Werkzeuge bereitgestellt bekommen – freundlich und übersichtlich.

Und es gibt Veränderung: Gerade im Consumer-Bereich wurden – beispielsweise mit dem Siegeszug des Smartphones – neuartige Oberflächen etabliert. Durch deren Bedienung haben sich Gewohnheiten gebildet, die die Menschen nicht allein deshalb ablegen, weil sie ihren Arbeitsplatz betreten. Wenn sie also dort ein mobiles Gerät in die Hand bekommen, erwarten sie eine ähnliche Nutzerführung wie auf ihren privaten Geräten. Und nicht zuletzt wollen sie durch ihre Ausstattung auch das Gefühl vermittelt bekommen, in einem modernen Unternehmen zu arbeiten. Dies ändert jedoch nichts an der eingangs genannten Konstante. Auf die Dauer wissen die Mitarbeiter vor allem elegante Funktionalität zu schätzen. Alles andere verblasst daneben.

2. Wie erfahren Sie, was die einzelnen Anwender konkret als elegant und funktional empfinden?

Auch hier landen wir wieder bei Bewährtem, verbunden mit einer wichtigen Neuerung. Jede ERP-Lösung wird gemeinsam mit dem Kunden customisiert, und das kann auch die Gestaltung der Bediener-Oberflächen mit einschließen. In den frühen Phasen solcher Projekte müssen zunächst einmal die gelebten Prozesse, die Management-Vorgaben und die Anwender-Wünsche beschrieben werden, um sie mit der Software abbilden zu können. In diesem Stadium wird beispielsweise entschieden, inwieweit sich das Unternehmen einen Standard zu eigen macht, lieber maßgeschneiderte Ware will oder eine Mischung aus beidem. In solchen Projekten ist es enorm wichtig, dass eine strukturierte Vorgehensweise und die Software-Architektur möglichst gut ineinandergreifen. Je modularer der Aufbau, desto leichter lassen sich die jeweiligen Rollen, Aufgaben, aber auch das Aussehen und andere Vorlieben zuschneiden.

3. Und die jüngste Neuerung?

Ein entscheidender Fortschritt: Es können bereits fertiggestellte Anwendungen ohne besondere Mühe umgestrickt werden, wenn der Wunsch danach aufkommt. Das betrifft übrigens nicht nur das Aussehen – es können auch völlig neue Funktionen bedeutend leichter ergänzt und integriert werden. Diese Fähigkeiten resultieren aus dem Einsatz von No-Code/Low-Code-Plattformen, sofern diese bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen. Wir zum Beispiel erstellen neue Anwendungen mit einer erweiterten Version von OSBP. Diese Plattform ist Open Source und wurde gemeinsam in der Eclipse-Community entwickelt.

Für uns bedeutet dies einen gewaltigen Unterschied zur herkömmlichen Programmierung! Bei letzterer verursachen scheinbar geringfügige Änderungen oft einen riesigen, im Grunde nicht zu vertretenden Mehraufwand, wenn sie im Nachhinein erfolgen sollen. Deshalb stecken erfahrene Anbieter auch so viel Mühe in die Vorab-Beschreibung der gewünschten Software. Traditionell muss alles bis ins Kleinste festgelegt werden, bevor die Software geschrieben wird. Und bei unumkehrbaren Festlegungen riskiert man – nicht nur in besonders komplexen Unternehmen – dass sie nicht jedem einzelnen Mitarbeiter gefallen. Mit Hilfe der No-Code/Low-Code-Plattform dagegen, lässt sich völlig anders arbeiten. Sie bedeutet gerade das Ende der Endgültigen.

4. Low Code bewirkt „Ende der Endgültigen“. Wie funktioniert das?

Die Software-Entwicklung auf der No-Code/Low-Code-Plattform erfolgt modellgetrieben. Es wird also nicht klassisch programmiert, sondern die gewünschte Software lediglich beschrieben. Den eigentlichen Programm-Code erzeugt die Plattform in einem separaten Schritt automatisch. Vom Prinzip her ähnelt dies stark der Arbeitsteilung zwischen CAD-Systemen und Fertigungsrobotern in der Automobilindustrie. Die Vorteile liegen auf der Hand: Weite Teile der Arbeit sind automatisiert, so dass sie schneller, kostengünstiger und mit zuverlässig hoher Qualität geleistet wird.

Nichts muss unter diesen Umständen endgültig festgelegt sein. Ist eine Anwendung erst einmal erzeugt, muss man praktisch nur das Modell an die veränderten Kundenwünsche anpassen, den Code neu erzeugen lassen und das Ergebnis gegen die alte Software austauschen. Und das geht zu jedem Zeitpunkt des Lebenszyklus. Es ist im Prinzip egal, ob Sie einen rohen Prototypen oder eine fertige Anwendung verändern, die bereits seit Jahren im Einsatz ist.

5. Wie kommt diese neue Flexibilität den Endnutzern zugute?

Es kommt tatsächlich allen Beteiligten zugute. Schon die Einführungsprojekte verlaufen entspannter, weil sie den Anwendern recht schnell erste Prototypen zum Austesten liefern können. Es darf experimentiert werden! Anhand des so entstehenden Feedbacks fällt die Verständigung wesentlich leichter als in der angestrengt-abstrakten Planung. Man nähert sich iterativ, also schrittweise, der gewünschten Lösung an. Man kann eine Anwendung auch über einen längeren Zeitraum produktiv einsetzen, und die dabei gesammelten Erfahrungen erneut aufgreifen, um die Software zu perfektionieren. Die Endnutzer haben somit dauerhaft Einfluss darauf, wie ihre Oberflächen gestaltet sind und über welche Funktionen sie verfügen. Das gehört zum selbstbestimmten Arbeiten – ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Mitarbeiterzufriedenheit.

Es geht nicht allein um ergonomische oder gar „geschmäcklerische“ Eigenheiten. Man muss auch sehen: Wir stecken mitten in der Digitalisierung. Die Mitarbeiter sind damit konfrontiert, dass sich die an sie gestellten Anforderungen verändern. Ihre Software muss womöglich morgen Tätigkeiten unterstützen, die heute noch niemand genau beschreiben kann. In dieser Situation ist eine Anwendung, die sich leicht weiterentwickeln lässt, ein Segen. Das entlastet nicht zuletzt die IT-Abteilung, weil sie den geschäftsgetriebenen Wünschen der Fachabteilungen besser gerecht werden kann.

6. Können Sie uns ein praktisches Beispiel nennen?

Nehmen Sie an, ein Mitarbeiter im Kundenkontakt stellt fest, dass er sich in immer mehr Fällen im Unternehmen durchfragen muss, weil seine ergonomisch-knapp gehaltene Ansicht ihm bestimmte Informationen nicht bereitstellt. Handelt es sich um eine modellgetriebene entwickelte Anwendung, lässt sich die Oberfläche schlicht um ein entsprechendes Element ergänzen – etwa als Widget oder über einen Menübutton aufrufbar. Die auf Basis von OSBP erstellten Anwendungen sind übrigens plattformneutral einsetzbar: Sie können auf mobilen oder stationären Geräten laufen. Auch für neuartige Einsatz-Szenarien sind die Grenzen also weit gezogen. Mit Hilfe von Low-Code-Plattformen können Fachabteilungen und IT einander endlich so reibungslos unterstützen, wie sich das alle wünschen.

Über Christophe Loetz:

Nach dem Studienabschluss in Mathematik, Sportwissenschaften und Sport war der Stipendiat der „Studienstiftung des Deutschen Volkes“ Christophe Loetz zunächst einige Jahre als Gymnasiallehrer tätig sowie von 1982 bis 2003 an unterschiedlichen Universitäten in Deutschland, Frankreich, Belgien und der Schweiz als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent in Forschung und Lehre. Im Rahmen seiner universitären Tätigkeiten unterstützte Christophe Loetz mit mathematischen Methoden der Optimierung von 1982 bis 1987 die Deutsche Nationalmannschaft Schwimmen. 1984 gründete er die Compex Systemhaus GmbH, die sich europaweit als ganzheitlicher Softwareanbieter für Unternehmen verschiedener Handelsbranchen etabliert hat. Seine Interessensschwerpunkte liegen unter anderem im mathematischen Bereich der ganzzahligen Optimierung sowie betriebswirtschaftlich in der Organisationsoptimierung.

Über Compex:

Compex ist ein Softwareanbieter, der seit über 30 Jahren auf nationaler und internationaler Ebene am Markt tätig ist. Einerseits ist Compex ein etablierter Anbieter von Softwarelösungen für Handel und Logistik. Andererseits gilt Compex mit OS.bee (und der Community Version OSBP) als ein Vorreiter im Eclipse-/Java-Umfeld. OS.bee ist eine Open-Source-Plattform zur modellgestützten Erzeugung von Business-Apps. Durch automatisierte Softwareentwicklung können Nutzer hier plattformunabhängige Anwendungen in hoher Geschwindigkeit und Qualität generieren.