Redaktionsbeitrag

ERP Trends der Zukunft, ein Blick in die Glaskugel

Veröffentlicht am 04.10.2018

Der Blick in die Glaskugel ist für eine Wahrsagerin ein festes Ritual. Ähnlich ist es mit unserem Versuch, die ERP-Trends für das nächste Jahr vorherzusagen. Wir haben uns zum einen die Frage gestellt, was ERP-Hersteller umtreibt. Dazu wird es auch wieder eine Interview-Reihe mit bekannten Softwarehäusern geben. Genauso wichtig ist uns dieses Jahr aber ein weiterer Punkt: Die Herausforderungen aus Sicht der ERP-Anwender. Mit welchen Themen müssen sich Unternehmen im Rahmen der digitalen Disruption auseinandersetzen. Wir haben 5 Zukunftsvisionen gefunden! (This article is also available in English!)

ERP Trends der Zukunft, ein Blick in die Glaskugel

ERP-Trend 1: Intelligente und Autonome Unternehmenssoftware
(KI, Maschine Learning)

Seit der Nutzung von EDV (elektronischer Datenverarbeitung) in Unternehmen wird der Computer zum digitalen Mitarbeiter. Zu Anfang haben einfache Programme nur Hilfsarbeiten übernommen, beispielsweise die Speicherung von Kunden- und Auftragsdaten. Mit der Weiterentwicklung von rudimentärer Software zu professioneller Unternehmenssoftware (EAS) wird aus dem digitalen Hilfsarbeiter langsam aber sicher ein vollwertiger Mitarbeiter, der intelligente und autonome Entscheidungen trifft. Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning helfen diesem digitalen Helfer seine Kompetenzen zu verbessern und befördern Ihn zum festen Angestellten der Zukunft. 

Beispiel: Der Kauf eines Produktes im Webshop wird abgelehnt, wenn die Bestellmenge höher ist als die verfügbare Lagermenge und der Artikel nicht mehr beim Standard-Lieferant nachbestellt werden kann. Die Zukunft wird hier deutlich flexibler werden: Das an den Webshop angeschlossene ERP-System wird versuchen, den gewünschten Artikeln bei alternativen Anbietern zu bestellen oder vielleicht andere Produkte vorschlagen, die auf Basis des Kaufverhaltens und der Präferenzen zum Kunden besser passen. Diese neue Art der virtuellen Kundenbetreuung wird in Zukunft den Umsatzvorsprung gegenüber dem Mitbewerber ausmachen.

ERP-Trend 2: Mobile-First Unternehmenssoftware
(Cloud, webbasierte Software, Apps)

Die Arbeitswelt löst sich von starren Arbeitszeiten und festen Arbeitsorten. Arbeit wird mobil. Die Verkaufszahlen von Smartphones, Tablets und Laptops lassen darüber keinen Zweifel. Aktuelle Unternehmenssoftware hat meist einen Client-Server-Ursprung. Dabei ist beim Client oft noch ein Arbeitsplatz im Büro gemeint. Start-Ups in der ERP-Branche haben den Ansatz „Mobil-First“ bereits erkannt. Die jungen Unternehmen entwickeln Mobil-First Unternehmenssoftware, die konsequent auf eine flexible und mobile Arbeitswelt 4.0 ausgelegt ist.

Bekannte Softwarehersteller ziehen mit einem Cloud-Ansatz, webbasierter Software oder/und Apps nach. Für die Unternehmenslenker ist diese Umstellung aber schwer zu verdauen. Mit der Flexibilität stellen sich ganz neue Anforderungen an die IT-Infrastruktur und Datensicherheit, für die der Geschäftsführer geradestehen muss und haftet. Dies ist mindestens ein Teilgrund, warum der Einsatz dieser Lösungen noch nicht Standard ist. Der zukünftige Mitarbeiter aber fordert solch moderne Betriebsmittel. Beim Kampf auf dem Arbeitsmarkt um die besten Talente, ist das Thema moderner und flexibler Arbeitsplatz zumindest das Zünglein an der Waage, ob man sich für oder gegen den Arbeitgeber entscheidet.

ERP-Trend 3: Kollaborative Unternehmenssoftware
(Virtual Reality, Chatbots, Unified Communications)

Wer alleine arbeitet, addiert. Wer zusammenarbeitet, multipliziert. Der Ursprung dieser Weisheit ist leider unbekannt. Klar ist: In der Teamarbeit steckt viel Potenzial. Die Aufgabe künftiger Unternehmenssoftware wird sein, diese Teamarbeit zu unterstützen und zu fördern. Unternehmenssoftware wird aus diesem Grund kollaborativ. Ein Beispiel: Kollegen wollen sich bei einer komplexen Angebotserstellung mit der Fachabteilung austauschen, man möchte schließlich keine falschen Schätzungen abgeben. Unternehmenssoftware unterstützt dabei künftig die gleichzeitige und gemeinsame Bearbeitung von Belegen. Via Chat oder Video-Konferenz spricht man die Angebotspositionen durch und kommt so gemeinsam schneller ans Ziel. Auch die Kommunikation mit der Software selbst verändert sich. Bereits heute können Lagermitarbeiter mit dem ERP-System über eine Datenbrille interagieren.

Mit Hilfe von eingeblendeten Objekten (Augmented Reality) und Informationen, kann der Mitarbeiter während des Kommissionierungsvorganges die Lagerplätze schneller finden in der der gesuchte Artikel liegt. Zeitgleich wird aus Kundensicht das Thema Virtual Reality relevant. Käufer wollen das Produkt aus allen Perspektiven ansehen oder sogar virtuell testen – die Produktdateninformationen (PIM) dafür, muss eine Unternehmenssoftware liefern. Mit dieser allwissenden Datenquelle kann die Software sogleich die Rückfragen vom Kunden zum Artikel beantworten. Diese Chatbots sind rund um die Uhr verfügbar und befriedigen das steigende Informationsbedürfnis des Käufers, wann immer der dies möchte. Fühlt sich der Interessent gut informiert, wird der Chatbot den Kaufprozess begleiten und so Umsatz generieren.

ERP-Trend 4: Vernetzte Unternehmenssoftware
(IoT, API, Industrie 4.0)

Die Datensilos dieser Welt brechen ein. Immer mehr Informationen können nicht mehr an nur an einem Ort gespeichert werden. Dezentrale Daten- und Speicherkonzepte sind auf dem Vormarsch. Dieser Ansatz macht auch nicht vor Unternehmenssoftware halt. Die Zeit der vernetzten Unternehmenssoftware ist gekommen. Bereits heute ist die Warenwirtschaft mit Verkaufsplattformen wie Amazon und eBay verbunden. Im nächsten Schritt werden verschiedene ERP-Systeme fremder Unternehmen über die bekannten EDI-Funktionen (Electronic Data Interchange) hinaus miteinander kommunizieren. Mit Hilfe von APIs (Application Programming Interface) in Kombination mit IoT (Internet Of Things) und Industrie 4.0 „sprechen“ viele Bausteine miteinander und tauschen Daten aus. Die Unternehmenssoftware spielt als digitales Gehirn des Unternehmens dabei eine zentrale Rolle in diesem Organismus. Nur mit einer gut vernetzte Steuerungszentrale wird man die raue See der digitalen Disruption bewältigen können.

ERP-Trend 5: Hacker-sichere Unternehmenssoftware
(Blockchain, DSGVO)

Auch wenn Hacker-Angriffe auf Unternehmenssoftware noch selten passieren, so häufen sich diese Vorfälle inzwischen auffällig. Finanziell orientierte Hacker können gerade in ERP-Systemen viel Schaden anrichten und sich monetär an Ihren Vergehen bereichern. Alleine die vage Vermutung der Möglichkeiten treibt Unternehmenslenker die Schweißperlen auf die Stirn. Da Software heute nicht mehr autonom in einem geschlossenen System ausreichend agieren kann, wird hacker-sichere Unternehmenssoftware immer wichtiger. Neben den gesetzlichen Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) mit empfindlichen Bußstrafen, besteht auch ein Eigeninteresse am Datenschutz. Technologien wie Blockchain und TLS-Verschlüsselung, können künftig die Integrität von Daten und Transaktionen sichern. Zur Sicherung des Fortbestandes eines Unternehmens wird der Geschäftsführer eine Antwort auf die Hackerangriffe finden müssen.


Welche Visionen die ERP-Branche beherrschen werden, wird die Zukunft zeigen. Wir werden mit unseren EAS-News berichten und Sie auf dem Laufenden halten. Wie die ERP-Hersteller diese Trends sehen, kann man hier ebenfalls erfahren. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter, um stets auf dem aktuellsten Stand zu bleiben.