Redaktionsbeitrag

Interview mit Martin Kreitmar von Tangany zum Thema Blockchain

Veröffentlicht am 28.10.2019

Matthias Weber im Gespräch mit Martin Kreitmar, Geschäftsführer und Mitgründer der Tangany GmbH, zum Thema Blockchain. Wir stellten Herrn Kreitmar fünf Fragen zum Thema Blockchain, lesen Sie hier seine Antworten.

Interview mit Martin Kreitmar von Tangany zum Thema Blockchain

1. Was ist eine Blockchain?

Blockchain ist im Grunde eine neuartige Datenbank. Wir alle nutzen Datenbanken mit jeder Webseite, die wir aufrufen. Das sind zumeist zentrale Datenbanken, die bei einem Eigentümer liegen. Im Gegensatz dazu ist Blockchain eine dezentrale Datenbank. Das bedeutet: Jeder kann sich die Datenbank herunterladen und abspeichern. Dadurch entstehen viele Kopien und eine schlaue Funktion in der Blockchain sorgt dafür, dass alle immer denselben Stand der Blockchain besitzen. Falls also jemand etwas an der Blockchain fälschen möchte, verhindern die anderen Teilnehmer dies. Dadurch gilt die Blockchain als fälschungssicher, sodass keine Einträge manipuliert werden können. Aufgrund dieser Eigenschaften eignet sich die Blockchain hervorragend um Werte (Geld, Eigentumsnachweise, etc.) darauf abzuspeichern. 

Beispielsweise kann man mit der Blockchain den Besitz von Immobilien darstellen, anstelle des aktuellen Grundbuchs. Niemand außer mir ist dabei in der Lage, den Eintrag zu ändern. Das liegt an der Fälschungssicherheit. Verkaufe ich die Immobilie, wird der Eintrag von mir aktualisiert (nachdem ich den Verkaufspreis entsprechend empfangen habe). Dies lässt sich sogar automatisieren mittels sogenannter Smart Contracts. Diese schlauen Verträge würden die Immobilie automatisch dem Käufer überschreiben, sobald der Verkaufspreis bei mir eingegangen ist. Damit benötigen Käufer und Verkäufer kein gegenseitiges Vertrauen mehr, da keiner den anderen hintergehen kann.

2. Welche Vor- und Nachteile hat die Blockchain?

Die Blockchain gilt eben als höchst fälschungssicher, sehr transparent – was Nach- und Vorteil zugleich sein kann – und als ideales Instrument, um Werte im Internet abzuspeichern. Auf der anderen Seite ist die Blockchain relativ langsam, da es eben sehr viele Kopien davon gibt und alle immer denselben Stand besitzen müssen. Außerdem sind manche Blockchains sehr energieintensiv, wie eben die Bitcoin Blockchain. Beide Nachteile lassen sich technologisch jedoch in den nächsten Jahren vollständig beheben.

3. Wie kommt die Blockchain schon zum Einsatz?

Blockchain wird vielfältig eingesetzt. So hat die Deutsche Bundesregierung soeben ihre nationale Blockchain-Strategie vorgestellt. Die Technologie wird viel im Bereich Finanzen, Energie, Unterhaltung und im Immobilien-Sektor eingesetzt. Bei den Finanzen geht es u.a. um Investment in Kryptowährungen, aber auch um schnellere und günstigere Transaktionen über Ländergrenzen hinweg. Auch wird viel daran geforscht, wie Aktien und andere Werte über die Blockchain abgebildet werden können. In der Energie wird diese genutzt, um Strom-Marktplätze zu schaffen und Prozesse zu verschlanken. Die Spieleindustrie nutzt Blockchain, um neue Umsatzmodelle zu schaffen und Spieleinhalte handelbar und damit mit einem konkreten Wert auszustatten. Bei Immobilien eignet sich die Technik hingegen, um Immobilien auf die Blockchain zu bringen und in kleine Stücke zu teilen, sodass Anleger in Teile einer Immobilie investieren können. Das erschließt völlig neue Zielgruppen, die bislang finanziell nicht in der Lage waren, dort zu investieren.

Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt, da Blockchain eben nur eine Datenbank-Technologie ist. Und diese wird vermutlich noch sehr große Auswirkungen auf die Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ausüben. Jedoch werden wir gar nicht merken, dass neue Systeme und Programme auf Blockchain basieren, da diese im Hintergrund läuft. Es wird uns einfach neue Möglichkeiten eröffnen.

4. Welche Konsequenzen wird die Blockchain auf künftige Generationen von Unternehmenssoftware haben?

Zukünftige Systeme werden enger miteinander verzahnt sein. Blockchain ist eine neutrale Technologie, die idealerweise keinem Unternehmen gehört, sodass sich Wettbewerber zusammenschließen, um diese zu nutzen. Basierend darauf können Unternehmenssoftwares indirekt miteinander verknüpft werden, indem diese auf Blockchain zugreifen. Sehr gut lässt sich das auch im Bereich öffentlicher Verwaltung vorstellen. Anstelle der immensen aktuellen Bürokratie wird es zukünftig eine Datenbank geben und alle Informationen der Bürger sind verknüpft. Das klingt natürlich erstmal nach einem Datenschutz-Horror, jedoch lassen sich Zugänge sehr gut regeln. Die einzelnen Ministerien haben nur auf für sie zugängliche Daten Zugriff. Jedoch muss ich bei einem Umzug nicht mehr fünf, sondern nur noch eine Stelle informieren. Dasselbe gilt, wenn ich meinen Telefonanbieter wechsle. Dort wird dann automatisch alles veranlasst, sodass ich keine Dokumente mehr einreichen muss – schließlich hat mein aktueller Anbieter bereits alle Daten.

5. Warum sollten sich alle Industrien mit der Blockchain beschäftigen?

Aus demselben Grund, warum sich alle Industrien mit dem Internet beschäftigen. Diese Technologie ist hier und wird nicht mehr verschwinden. In den 1990er Jahren war es kein Problem auf das Internet zu verzichten, auch in den 2000er Jahren ging das noch halbwegs. Das haben vor allem europäische Unternehmen sehr erfolgreich praktiziert mit dem Ergebnis, dass die digitale Wirtschaft nahezu vollständig in den USA geschöpft wird. Heute wird bestimmt, wer der Marktführer von morgen sein wird und wir helfen unseren Kunden dabei, dieses Unternehmen zu sein.


Interviewpartner: Martin Kreitmar, Geschäftsführer und Mitgründer der Tangany GmbH

Martin Kreitmair (Mitte) ist Geschäftsführer und Mitgründer der Tangany GmbH, einem auf Custody Blockchain Infrastrukturen spezialisierten Startup. Davor war er mehr als sechs Jahre Abteilungsleiter eines Team mit 25 Mitarbeitern im Bereich technischem Marketing. Martin besitzt ferner einen Master in Wirtschaftsinformatik, wodurch er ein breites Verständnis in den Bereichen Informatik und Technik sowie Betriebswirtschaft und Finanzen besitzt.

Tangany wurde 2018 von Martin Kreitmair, Christopher Zapf und Alexey Utin gegründet. Mit ihrer Wallet as a Service Lösung bindet das Münchner Startup Unternehmen einfach und unkompliziert an eine existierende Blockchain an. So wird die Technologie für sämtliche Unternehmen nutzbar, die sichere Prozesse in jeglicher Form abwickeln – ganz ohne Vorkenntnisse der Mitarbeiter und sofort startklar. Es ist die Vision von Tangany, die Blockchain nutzerfreundlich und einfach zu gestalten und die Technologie so in die Mitte der Bevölkerung zu bringen. Tangany verwandelt die Leidenschaft zur Blockchain in einen Mehrwert für jedes Unternehmen.