Redaktionsbeitrag

Interview mit Zamro zum Thema B2B E-Commerce

Veröffentlicht am 11.06.2018

Matthias Weber im Gespräch mit Tim Noordhoek, CTO bei Zamro,  zum Thema B2B E-Commerce.

5 Fragen an die Zamro zum Thema B2B E-Commerce

Auf unsere 5 Fragen zum Thema „B2B E-Commerce“ gibt uns Tim Noordhoek, CTO bei Zamro, Antworten.

Frage 1: Worin unterscheidet sich B2B-E-Commerce von B2C-E-Commerce?

E-Commerce in B2B ist im Vergleich zu B2C noch in der Entwicklungsphase, hat aber viel mit dem B2C-Markt vor ein paar Jahren gemeinsam: B2B-Nutzer denken noch nicht automatisch an den Online-Einkauf. Der Mobile Traffic ist niedriger, aber bereits auf einem relevanten Niveau: Rund 30 Prozent der Zugriffe und 17 Prozent der Transaktionen stammen von Mobilgeräten. Noch sind viele Shops nicht darauf ausgerichtet, dem Nutzer ein einfaches, aber auch ansprechendes Einkaufserlebnis zu verschaffen.

Gerade in einer Branche wie der unseren wird noch wenig im Internet eingekauft, wir sehen aber einen deutlichen Wachstumstrend. Studien wie etwa Online-Kaufverhalten im B2B-E-Commerce 2017 von ibi research bestätigen unsere Beobachtung. Wir können einiges von B2C lernen und für B2B-Marketing nutzen, um existierende Barrieren zu beseitigen, das gilt für Usability wie Shop-Gestaltung.

Die mobilen Zugriffe werden steigen. Denken Sie etwa an die Selbständigen und Kleinunternehmer, die den größten Teil des Mittelstands ausmachen. Viele von ihnen arbeiten nicht am Schreibtisch, sondern unterwegs oder bei Kunden. Diese Zielgruppe wird immer mehr mobil einkaufen, auch für den Geschäftsbedarf.

Ebenfalls wichtig sind die zunehmenden Fragen nach einfacherer Bedienung und mehr Optionen. Einerseits ist es für den Käufer entscheidend, dass er schnell und komfortabel findet, wonach er sucht. In Sachen Usability kann man hier viel vom B2C-Handel lernen. Funktionen wie die Bestellung ohne umständliche Logins, komfortable Filterfunktionen für geführtes Einkaufen oder Möglichkeiten, Bestelllisten direkt hochzuladen werden von guten B2B-Anbietern immer mehr übernommen.

Außerdem lassen sich Service und Beratung online genauso gut wie im Offline-Handel anbieten – sogar noch besser. Dafür gilt es, entsprechende Support- und Account-Teams aufzubauen. Wir haben das schon getan.

Frage 3: Wie wichtig ist die User Experience im B2B-E-Commerce?

User Experience spielt eine entscheidende Rolle, Händler müssen B2B-Kunden eine rundum gelungene Online-Erfahrung bieten. Für Zamro gehört hier als zentraler Faktor Service und Support dazu: Bei einer sehr breiten Produktauswahl, wie wir sie anbieten, ist es wichtig, als Händler dem Kunden als Berater zur Verfügung zu stehen. Dies gilt sowohl für Großkonzerne als auch für KMUs, auch wenn beide unterschiedliche Bedürfnisse haben. Großunternehmen brauchen komfortable Schnittstellen zu ihren Systemen und Features wie die Integration von Kostenstellennummern oder die automatische Übertragung von Bestelllisten aus dem ERP-System in das Shopsystem.

Kleineren Unternehmen ist es wichtig, dass der Shop übersichtlich gestaltet ist und sie durch intelligente Filterfunktionen schnell die Produkte und Informationen finden, die sie suchen. Sie möchten keine Zeit mit Anmeldungs- oder Bezahlvorgängen verlieren.

Frage 4: Worauf sollten man bei der Auswahl von einer B2B-E-Commerce-Plattform achten?

Nur ein paar große Anbieter können spezielle B2B-Funktionen out-of-the-box anbieten. Natürlich gibt es viele Funktionen, die bei B2B und B2C gebraucht werden: Check-out mit Einbindung verschiedener Bezahloptionen, Warenkorb, einfache Rabattfunktionen. Im B2B-Feld sind zudem Aspekte wie Schnittstellen zu ihren Systemen für ERP, CRM und dem CMS nötig. Logistik kann bei B2B auch sehr komplex ausfallen, wenn etwa Produkte mehrerer Anbieter in Kundenlieferungen zusammengefasst werden. Dafür ist ein gutes Order Management System notwendig, das reibungslos mit dem Shopsystem zusammenarbeitet.

Die Plattform selbst sollte Nutzer bei operativen sowie administrativen Vorgängen entlasten. Das heißt für die Usability etwa, dass sich wiederkehrende Bestellungen mit möglichst wenig Klicks abwickeln oder gleich ganz automatisieren lassen sollten. So sinken Aufwand und Kosten. Die gewählte Lösung sollte zudem sowohl selbst skalierbar als auch skalierbar gehostet sein.

Frage 5: Welche Schritte sollte man bei der Einführung einer B2B-E-Commerce Plattform beachten?

Die Einführung einer Plattform ist ein gradueller Prozess. Skalierbare Piloten stellen einen guten Anfang dar, so können Sie Learnings gleich in die Weiterentwicklung einfließen lassen.

Das B2C-Segment bietet viele Inspirationen. Transparenz bei der Preisgestaltung ist für B2B sehr neu, häufig gab es hier individuelle Vereinbarungen mit Kunden. Wir bieten lieber individuellen Service und wollen auch sonst die Wünsche unserer Kunden möglichst gut kennen: Bei Zamro führen wir regelmäßig User-Panels durch, werten die Ergebnisse aus und wenden sie auf unseren Shop an. Beim Marketing für die Plattform lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob Sie auch B2C-Kunden ansprechen wollen oder nicht. Von dem Traffic, der die Plattform dank SEA erreicht, machen diese oft 10 bis 20 Prozent aus. Wenn sie auch bei Ihnen einkaufen sollen, benötigt das ein paar andere Funktionen. Wir haben etwa Prüfverfahren implementiert, um uns vor Zahlungsausfällen zu schützen. Achten Sie zudem auf ein gutes Integration Management. Bei Zamro sind mehr als 30 Systeme angeschlossen, orchestrierte Prozesse sind hierfür notwendig.


Das Interview wurde schriftlich mit Tim Noordhoek, CTO bei Zamro GmbH, geführt

Tim Noordhoek ist ein Zamro-Mitarbeiter der ersten Stunde und seit der Gründung der Firma 2016 als CTO tätig. Hier war er für die Auswahl einer passenden E-Commerce Plattform für das Unternehmen verantwortlich und baute davon ausgehend die IT-Landschaft auf. Für die Umsetzung stellte er ein Team aus hochqualifizierten Entwicklern aus Amsterdam, Frankreich, Portugal und Indien zusammen.
Noordhoek verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich Software Development und agierte zehn Jahre in der Rolle des CTO und Manager in Firmen wie HoyHoy, TMG und Emesa.

Zamro ist ein junges B2B-E-Commerce-Unternehmen, das technische Bauteile und Werkzeuge anbietet. Der Online-Großhändler richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen aus z.B. der Metallindustrie und der Maschinenwartung. Das Start-Up wurde im Oktober 2016 gegründet und vertreibt seine 410.000 Qualitätsprodukte seitdem in den Niederlanden. Seit November 2016 ist der Online-Großhändler auch in Belgien aktiv und seit März 2017 in Deutschland. Zamro ist Teil der Eriks-Gruppe und vertreibt seine Produkte hierzulande unter www.zamro.de