Redaktionsbeitrag

Interview mit SD Worx zum Thema RPA – Robotic Process Automation

Veröffentlicht am 18.10.2018

Matthias Weber im Gespräch mit Sigurd Seifert, Director Strategy & Marketing bei SD Worx, zum Thema RPA – Robotic Process Automation.

SD Worx bietet weltweit umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Payroll und HR sowie Beratung zu steuerlichen und rechtlichen Fragen. Gut 4.150 exzellent ausgebildete Mitarbeiter von SD Worx unterstützen mehr als 65.000 Kunden aller Größen und Branchen der privaten Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes. Neben sämtlichen Services rund um Entgeltabrechnung und HR bietet SD Worx spezielle Schulungen sowie kompetente Beratung in allen personalwirtschaftlichen Feldern an, ebenso wie regelmäßige HR-Studien. Maßgeschneiderte Software-Lösungen für Personalabteilungen und On-site-Support runden das Angebot ab.

SD Worx führt jeden Monat 4,4 Millionen Entgeltabrechnungen für seine Kunden in verschiedenen Ländern durch. Das international aufgestellte Unternehmen hat eigene Niederlassungen in Belgien (HQ), Deutschland, Frankreich, Irland, Luxemburg, Mauritius, den Niederlanden, Österreich, Großbritannien und der Schweiz. Weiterhin ist SD Worx Mitbegründer der renommierten „Payroll Services Alliance“, welche monatlich insgesamt 32 Millionen Entgeltabrechnungen verantwortet.

5 Fragen an SD Worx zum Thema Robotic Process Automation

Auf unsere 5 Fragen zum Thema Robotic Process Automation gibt uns Sigurd Seifert, Director Strategy & Marketing bei SD Worx, Antworten.

Frage 1: Welche Chancen und Nutzen sehen Sie in Robotic Process Automation?

Die Robotergesteuerte Prozessautomatisierung, englisch „Robotic Process Automation“ oder kurz „RPA“ genannt ist sozusagen die technologische Folgestufe der klassischen Prozessautomatisierung. Im Prinzip erlernen Roboter ein Stück weit menschliches Handeln und können beispielsweise eine menschliche Interaktion mit Benutzerschnittstellen von Softwaresystemen nachahmen. Diese Simulation menschlicher Eingaben über übliche Benutzeroberflächen macht die im Rahmen der klassischen Prozessautomatisierung notwendigen Schnittstellen überflüssig. Genau hier liegt die eigentliche Revolution. Der mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter kann nicht nur Dateneingaben in ein System durchführen, sondern komplette Geschäftsprozesse eigenständig abbilden.

Ich prognostiziere dieser Technologie eine goldene Zukunft, sie wird aufgrund ihrer vielen Vorteile bald flächendeckender Standard sein und bietet viele Möglichkeiten. Ich bin zudem sicher, dass Entscheidungsprozesse in den Unternehmen wachsend durch Künstliche Intelligenz beeinflusst werden – und diese spielt bei RPA eine tragende Rolle. Die Produktivität und in der Folge die Effizienz in den Betrieben wird durch RPA maßgeblich gesteigert, eine solche Chance wird sich kein Entscheider entgehen lassen.

Allerdings lege ich schon Wert auf die Feststellung, dass RPA wohl menschliche Fähigkeiten nachzuahmen in der Lage ist, den Menschen selbst in seiner Komplexität und Einzigartigkeit aber nicht zu kopieren trachtet. Hier sollten wir die Kirche im Dorf bzw. den Roboter an seinem Platz lassen.

Frage 2: Welche Möglichkeiten bietet Robotic Process Automation gegenüber klassischer Prozessautomatisierung?

RPA bietet durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) einfach mehr als die klassische Prozessautomatisierung. KI macht den entscheidenden Unterschied. Die Simulation menschlichen Handelns in der Arbeitswelt macht eine Vielzahl an Schnittstellen überflüssig, der Roboter arbeitet in ähnlicher Weise wie ein Mensch und kann eigenständige Eingaben machen. Die traditionelle IT-gestützte Prozessautomatisierung stößt genau hier an ihre Grenzen – sie kann diese Simulationen nicht bieten und ist deshalb gezwungen, über eine Vielzahl an Schnittstellen zu arbeiten, welche RPA nicht benötigt. Wie oben bereits gesagt ist RPA in der Lage, komplette Geschäftsprozesse ohne menschliches Eingreifen eigenständig abzubilden. Die übliche IT-Technologie kann da nicht mithalten.

Man kann RPA in diesem Zusammenhang auch ein Stück weit als Bedrohung für die IT betrachten, denn die Anwendung ist simpel, die Anforderungen an technischem Support sind überschaubar und es ist auch keine kostspielige Investition in neue Plattformen notwendig.

Frage 3: Wie stark hängt Robotic Process Automation mit dem Thema künstliche Intelligenz und Machine Learning zusammen?

Wie bereits gesagt bedient sich RPA in wesentlichem Maße der Künstlichen Intelligenz, KI kann sogar als Kern der modernen robotergesteuerte Prozessautomatisierung angesehen werden. Das Prinzip von RPA ist die Simulation menschlicher Fähigkeiten im Rahmen geschäftlicher Prozesse – und für die Umsetzung ist die Nutzung Künstlicher Intelligenz unabdingbar. KI ist ja auch die Nachahmung menschlicher Intelligenz, wenn Sie so wollen.

Frage 4: Wird man mit Robotic Process Automation die Mitarbeiteranzahl im Unternehmen reduzieren können?

Die (ethische) Frage ist, ob dies das Ziel sein kann und soll. RPA soll die Qualität der Arbeit insgesamt zu aller Nutzen verbessern und insofern nicht den Beschäftigten im Betrieb ersetzen, sondern ihn entlasten. Es gibt natürlich eine Reihe an Prozessen, die bereits heute und in Zukunft noch stärker durch RPA besser und schneller durchgeführt werden können als durch den Menschen. Dieser wird deshalb aber nicht arbeitslos, seine Aufgaben verändern sich allerdings – verbunden mit entsprechenden Fortbildungsbedarfen. Vergessen wir nicht: jeder technische Fortschritt muss auch geplant, programmiert und kontrolliert werden – durch den Menschen.

Frage 5: Welche ersten Schritte raten Sie Anwenderunternehmen beim Thema Robotic Process Automation?

Zunächst: RPA ist kein Allheilmittel bei problematischen, komplexen oder fehlerbehafteten Prozessen. Diese moderne Technik leistet intelligente Unterstützung, plant sich allerdings nicht von alleine. Insofern ist es elementar, alle vorhandenden Prozesse im Betrieb sorgfältig zu analysieren und in diesem Zuge auch zu optimieren. In einem zweiten Schritt kann dann darüber nachgedacht werden, ob und an welchen Stellen sich die Unterstützung durch RPA lohnen kann. Die Bedarfe in den Unternehmen sind hier sehr unterschiedlich, eine allgemeingültige Schablone gibt es nicht. Ich muss als Prozessverantwortlicher immer wissen: Was habe ich? Was brauche ich? Erst dann wird die Frage nach dem „wie“ aktuell und RPA kommt ins Spiel. Die Automatisierung von Prozessen durch RPA wird übrigens nicht im Vorübergehen umgesetzt, sondern ist schon Projekt, das Zeit und auch ein wenig Geld kostet. Hier gilt es, die nötigen Ressourcen bereitzustellen. Das muss stets bedacht werden.


Über Sigurd Seifert, Director Strategy & Marketing bei SD Worx

Dipl.-Kaufmann Sigurd Seifert studierte Wirtschaftswissenschaften in Mainz und Saarbrücken. Nach dem Studium begleitete er Positionen in Beratung und Vertrieb personalwirtschaftlicher Softwarelösungen. Anschließend war er in leitenden Positionen im Bereich HR-Projekte und Dienstleistungen tätig. Bei ADP Employer Services war er als Direktor für die Verbesserung und Optimierung von Geschäftsprozessen und Kundenbeziehungen sowie für Marketing und Kommunikation verantwortlich. Heute ist Sigurd Seifert bei dem europäischen Payroll und HR Experten SD Worx als Director Strategy & Marketing tätig.