Redaktionsbeitrag

Sieben Dinge, die jeder CEO über seine Patente wissen sollte

Veröffentlicht am 16.07.2018

In der Geschäftswelt von heute würden Unternehmen einen deutlich höheren Wert besitzen, wenn sie eine bessere Kontrolle über ihr geistiges Eigentum hätten. Laut CNBC bewerten Experten selbst schwächelnde Unternehmen wie Toys R Us als „sehr wertvoll“, wenn sie über genügend geistiges Eigentum verfügen. Gerald Storch, der ehemalige CEO von Toys R Us, meint, wenn ein Unternehmen die eigene Lieferkette besitzt, dann sei der Unternehmensgewinn deutlich größer. Dieses Beispiel gilt für alle Unternehmen: Je mehr immaterielle Vermögenswerte ein Unternehmen besitzt, desto profitabler wird es.

Sieben Dinge, die jeder CEO über seine Patente wissen sollte

Heutzutage versäumen es viele Unternehmen, den Wert ihres geistigen Eigentums zu erfassen – häufig, weil sie es Investoren nicht mitteilen. Dieses konkrete Beispiel aus dem Mai 2012, als Google Motorola übernahm, zeigt, wie schwierig es ist, den Wert von „immateriellen Vermögenswerten“ zu kommunizieren (wenn Patente in der Bilanz stehen):

Bilanz von Google, immaterielle Vermögenswerte (in Millionen):

  • Ende 2013: 6.066 US-Dollar
  • Ende 2012: 7.473 US-Dollar
  • Ende 2011: 1.578 US-Dollar

Bilanz von Motorola, immaterielle Vermögenswerte (in Millionen):

  • Ende 2012: 109 US-Dollar
  • Ende 2011: 48 US-Dollar (nach Abzug der kumulierten Abschreibungen von 1.114 US-Dollar)

Am 22. Mai 2012 hat Google die Übernahme von Motorola für einen Gesamtkaufpreis von ca. 12,4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen (2,9 Milliarden US-Dollar für Barmittel, 5,5 Milliarden US-Dollar für Patente und entwickelte Technologie, 2,5 Milliarden US-Dollar für den Firmenwert, 0,7 Milliarden US-Dollar für Kundenbeziehungen und 0,8 Milliarden US-Dollar für sonstige erworbene Nettovermögenswerte).

Es ist ziemlich offensichtlich, was dies für die Bilanz für Google bedeutet hat. Die Auswirkungen für Motorola sind hingegen nicht so deutlich. Ist es wirklich glaubhaft, dass die gesamten immateriellen Vermögenswerte von Google durch die Übernahme von Motorola um 400 Prozent angestiegen sind? Der Großteil der immateriellen Vermögenswerte von Google taucht vor der Transaktion auf der Bilanz einfach gar nicht auf!

In der Tat wird geistiges Eigentum gemäß US-GAAP (United States Generally Accepted Accounting Principles, Allgemein anerkannte Rechnungslegungsgrundsätze der Vereinigten Staaten) in der Bilanz nicht richtig widergespiegelt und häufig sogar weggelassen. Nur wenn es im Rahmen einer Übernahme erworben wird, wird es ausgewiesen. Das heißt: Intern generierte immaterielle Vermögenswerte haben aus bilanzieller Sicht absolut keinen Wert. Dies entspricht internationalen Standards. Das Unternehmen kann also nicht wirklich etwas dagegen tun.

Dennoch liegt es in der Verantwortlichkeit des Vorstands und des CEO, diese Vermögenswerte genau zu kennen und zu verstehen. Nachfolgend finden Sie die sieben wichtigsten Fragen, die alle CEOs beantworten können sollten, um den Überblick über das geistige Eigentum Ihres Unternehmens zu behalten:

1. Investieren wir genug in F&E und die Entwicklung von geistigem Eigentum, um jetzt und in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein?

Unternehmen sollten in F&E investieren, um durch das Entwickeln neuer Produkte zu wachsen. Es ist schwer für ein Unternehmen, wettbewerbsfähig zu bleiben, wenn es nicht der technologischen Entwicklung voraus ist.

2. Kennen wir den Wert unseres geistigen Eigentums und wissen wir, welche Auswirkungen es auf unsere Gewinn- und Verlustrechnung hat (GuV)?

Sie sollten das Management Ihres geistigen Eigentums als fortlaufende Aufgabe betrachten, die einen wesentlichen Bestandteil Ihrer Geschäftsplanung und -strategie darstellt und mit dieser abgestimmt werden muss.

3. Verfügen wir über eine starke IP-Strategie, um global wettbewerbsfähig zu sein, und können wir dies an unsere Aktionäre und den gesamten Markt kommunizieren, um einen Mehrwert zu schaffen?

Mit einer organisierten IP-Strategie stellen Sie sicher, dass es durchgängige Prozesse zum Erfassen, Schützen und Verwalten Ihres geistigen Eigentums gibt.

4. Wird vor dem Hintergrund, dass die immateriellen Vermögenswerte nicht in der Bilanz erfasst werden, von den Investoren erwartet, dass sie diese Vermögenswerte in den Aktienkurs einbeziehen? Oder sollen sie annehmen, dass sie bereits in der GuV berücksichtigt werden?

Da immaterielle Vermögenswerte einen so großen Anteil am Wert eines Unternehmens ausmachen, ist es wichtig, dass ein Unternehmen die Bedeutung und den Wert von geistigem Eigentum an Analysten, Aktionäre und potenzielle Investoren kommuniziert.

5. Sind wir dazu in der Lage, die Chancen und Risiken der immer komplexer werdenden Welt des geistigen Eigentums zu nutzen, schnell auf Veränderungen zu reagieren (und unseren entsprechenden Plan zu kommunizieren)?

IP-Tools und -Technologie entwickeln sich stetig weiter. Sie erfordern, dass Sie Ihren IP-Plan und Ihre Prioritäten Jahr für Jahr überprüfen.

6. Wie bewerten wir geistiges Eigentum, wenn wir unsere eigene Akquisitionsstrategie betrachten?

Bedenken Sie: Auch wenn IP-Assets eine zentrale Rolle in der Geschäftsstrategie eines Unternehmens spielen, reichen das Erwerben und Besitzen von geistigem Eigentum nicht aus, um einer schlechten Geschäftsstrategie entgegenzuwirken und ein Unternehmen erfolgreich zu machen.

7. Umfasst unsere Produkt-Roadmap eine IP-Roadmap sowie Implikationen für Finanzprognosen?

Prognosen der Kosten für das IP-Portfolio einer Organisation während des IP-Lebenszyklus sind sehr wichtig, um den Wert von IP-Assets bestimmen zu können und die Effizienz des Managements voranzutreiben.

Autor: Erik Reeves, CTO von Anaqua

Als CTO ist Erik Reeves verantwortlich für die Technologiestrategie und den langfristigen Plan von Anaqua für eine integrierte IP-Software und -Service-Plattform. Er überwacht die Entwicklung der Innovationsplattformen Anaqua, IdeaPoint und AcclaimIP sowie deren Integration – einschließlich der Durchdringung von Datenintelligenz in alle Software-Lösungen und -Services. Bevor er bei Anaqua eingestiegen ist, hat Erik Reeves mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung im Bereich des geistigen Eigentums und der Innovationen gesammelt. Er gilt als anerkannter Vordenker in den Bereichen Patentsuche & Patent-Landscaping, IP-Ecosystem-Modelling und Big-Data-Strategie.

Die innovativsten Unternehmen der Welt schaffen Innovationen gemeinsam mit Anaqua. Die vereinfachte Software-Plattform kombiniert Erkenntnisse aus der Big-Data-Analyse mit wichtigen Tools, bewährten Arbeitsabläufen und fortschrittlichen Dienstleistungen. Derzeit werden weltweit fast 25 % des geistigen Eigentums mit Anaqua-Software verwaltet.   Viele bekannte Marken und äußerst innovative Produkte wurden bereits mithilfe der ANAQUA-Plattform konzipiert, bewertet, geschützt und gewerblich genutzt. Anaqua wurde 2004 von IP-Managern der Unternehmen The Coca-Cola Company, Ford Motor Company und British American Tobacco gegründet. Das privat geführte US-Unternehmen hat seinen Sitz in Boston und verfügt über weitere Niederlassungen in Europa und Asien.  Im Juli 2017 ist Anaqua mit Lecorpio verschmolzen, um in der Branche ein neues Kraftzentrum für IP-Software zu begründen.