Artikel: Steuerberatung im E-Commerce-Business – Rahmenbedingungen und Herausforderungen für Startups und Wachstumsunternehmen von Tobias Sick

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Neuregelung für elektronische Marktplatzbetreiber

Seit Jahresanfang 2019 gibt es neue, strenge Regelungen im Bereich elektronischer Marktplätze (Handel von Waren im Internet). Das Gesetz soll den Ausfall von Steuern beim Handel von Waren im Internet verhindern. Die praktischen Auswirkungen dieser neuen Regelungen machen sich gerade jetzt bemerkbar. Deshalb sollte jeder Unternehmer, der in diesem Bereich tätig ist, einen Umsatzsteuerspezialisten konsultieren um folgenschwere Fehler zu vermeiden.

Betreiber elektronischer Marktplätze sind von nun an verpflichtet, persönliche Daten der Verkäufer aufzuzeichnen, wenn die Lieferung innerhalb Deutschlands steuerbar ist. Die Bestätigung der steuerlichen Registrierung ist ebenfalls ein Teil davon. Ohne Erfüllung der vom Gesetzgeber vorgegebenen Pflichten, haften die Plattformbetreiber für nicht entrichtete Umsatzsteuer der Händler, welche die elektronische Plattform nutzen. Somit gilt es – um keine existenzgefährdenden Risiken für den Plattformbetreiber entstehen zu lassen – eine Haftung für die nicht entrichteten Steuern der Händler wirksam zu vermeiden; gerne unterstützen wir von HWS hierbei.

Jahresabschluss oder Einnahmen-Überschuss-Rechnung?

An der Ermittlung des steuerlichen Ergebnisses kommt kein Unternehmen vorbei. Schließlich geht es darum, wie hoch die Ertragssteuern (Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer sowie Gewerbesteuer) ausfallen. Wie es an diesem Punkt weitergeht, hängt von der Rechtsform des Unternehmens ab bzw. vom Umsatz und Gewinn desselbigen.

Sofern die nachfolgend aufgeführten Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Erstellung einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR, sog. § 4 Abs. 3 EStG-Rechner) zulässig. Simpel gesprochen lautet die Formel dann:

Einnahmen – Ausgaben = Gewinn/Verlust.

Ist der Betrag positiv, wurde ein Gewinn erzielt. Gratulation! Sie „dürfen“ Steuern bezahlen. Ist er negativ, haben Ihre geschäftlichen Aktivitäten zu einem Verlust geführt. Sie brauchen keine Einkommenssteuer und Gewerbesteuer bezahlen.

Wer darf die EÜR anwenden?

  • Die Rechtsformen der GmbH, der UG und der AG dürfen dies nicht.
  • Die EÜR dürfen nur Unternehmen anwenden, deren Umsatz die Grenze i.H.v. 600.000 Euro und die Gewinngrenze i.H.v. 60.000 Euro im Jahr nicht überschreiten.
  • Auch der eingetragene Kaufmann kann die EÜR anwenden, wenn er unter diesen Schwellenwerten liegt.
  • Alle Freiberufler nach § 18 EStG – und zwar egal wie hoch Gewinn und Umsatzhöhe sind.

Liegen die Voraussetzungen für eine zulässige Erstellung einer EÜR nicht vor (zum Beispiel bei Kapitalgesellschaften oder Überschreitung der Größengrenzen), muss zwingend ein Jahresabschluss mit doppelter Buchführung und Bilanzierung erstellt werden. Auch wenn eine EÜR zulässig wäre, ist zu überlegen ob nicht doch freiwillig bilanziert wird, da hierdurch viel aussagekräftigere Auswertungen zur Profitabilität möglich sind. Bei einer EÜR kann es nämlich aufgrund des Zu- und Abflussprinzips schnell zu erheblichen zeitlichen Verschiebungen kommen, worunter der Aussagegehalt der betriebswirtschaftlichen Auswertungen massiv leidet.

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