Artikel: Steuerberatung im E-Commerce-Business – Rahmenbedingungen und Herausforderungen für Startups und Wachstumsunternehmen von Tobias Sick

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eBay

eBay galt jahrelang als digitales Auktionshaus. Die überwiegende Zahl der dort verkauften Artikel weist mittlerweile allerdings einen Fixpreis, ohne Verhandlungsbasis, auf. Wenn man diese Plattform nun gewerblich nutzt, dann interessiert sich logischerweise das Finanzamt für diese Aktivitäten.

Hier die wichtigsten Hinweise in diesem Zusammenhang:

Porto: Wenn die Ware nicht beim Händler abgeholt wird, fallen Porto- und Versandkosten an, die wiederum der Umsatzsteuer unterliegen, welche somit an das Finanzamt abgeführt werden muss.

Umsatzsteuer: Registrierte Unternehmen bekommen von eBay – sofern die Rechnungsstellung über deren luxemburgische Gesellschaft erfolgt (was künftig jedoch grundsätzlich nicht mehr der Fall sein soll) – eine Nettorechnung ausgestellt. Unternehmer sind bei Inanspruchnahme von Dienstleistungen aus dem EU-Ausland verpflichtet, die Umsatzsteuer selbst zu ermitteln und beim Finanzamt abzuführen (sog. „Reverse Charge“; Umkehr der Steuerschuldnerschaft nach § 13b UStG). Der Leistungsempfänger übernimmt sozusagen die Versteuerung für den Leistungserbringer. Eine effektive Steuerbelastung hierdurch ergibt sich hierbei bei Kleinunternehmern, da diese nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind. Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer dürfen die ermittelte Umsatzsteuer dagegen direkt als Vorsteuer gegenrechnen wodurch es insoweit nicht zu einer Liquiditätsbelastung kommt.

Amazon

Die umsatzstärkste Verkaufsplattform im Internet ist Amazon. Auf dem sogenannten „Marketplace“ erlaubt Amazon Drittverkäufern das Präsentieren und Verkaufen ihrer Waren. Als Jungunternehmer hat man eine Reichweite von mehreren Millionen Besuchern am Tag. Da ist es auch verschmerzbar, dass Amazon durchschnittlich ca. 15% vom Bruttoverkaufspreis für sich einstreicht.

Doch auch hier gibt es, aus steuerrechtlicher Sicht, einige wichtige Punkte zu beachten. Umsatzsteuerlich kompliziert wird es insbesondere dann, wenn die Versendung von Amazon übernommen wird, diese jedoch nicht von Deutschland aus erfolgt, sondern von ausländischen Amazon-Lagern – was häufiger der Fall ist als gemeinhin angenommen wird.

Amazon erledigt für die Verkäufer die Abrechnung und behält sich seine Provision unmittelbar ein. Der Unternehmer muss jedoch den vollen Verkaufserlös als Betriebseinnahme erfassen, kann im Gegenzug aber die Gebühr von Amazon als Betriebsausgabe berücksichtigen. Eine Verrechnung des Verkaufspreises mit den Gebühren ist in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht zulässig.

Hier ist wichtig, dass nicht nur auf den Geldeingang die Umsatzsteuer anfällt, sondern auch auf die Amazon-Gebühr, weil Amazon nur als Vermittler auftritt und sich die Umsatzsteuer immer aus dem Betrag ermittelt, den der (End)Kunde aufwendet. Ein weiterer wichtiger Punkt: Werden dem Kunden Versand- oder Verpackungskosten in Rechnung gestellt, muss auch hierauf Umsatzsteuer berechnet und vom Verkäufer abgeführt werden.

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