Redaktionsbeitrag

Interview mit der Step Ahead, zum Thema branchenspezifische Unternehmenssoftware

Veröffentlicht am 24.05.2018

Matthias Weber im Gespräch mit Robert Quotschalla, Bereichsleiter IT & Service Industry, der Step Ahead AG, zum Thema branchenspezifische Unternehmenssoftware.

5 Fragen an die Step Ahead AG zum Thema „brachenspezifische Unternehmenssoftware“

Auf unsere 5 Fragen zum Thema „brachenspezifische Unternehmenssoftware“ gibt uns Robert Quotschalla, Bereichsleiter IT & Service Industry, der Step Ahead AG Antworten.

Frage 1: Welche Vorteile oder Nachteile haben Softwareprodukte, die speziell für eine Branche ausgelegt sind?

Unternehmensprozesse variieren von Branche zu Branche stark und sind auch innerhalb einer Branche meist dynamisch, da sie abhängig von Geschäftsstrategie, Geschäftsmodell und aktuellen Anforderungen flexibel angepasst werden müssen. Nur spezialisierte Branchenlösungen sind dazu in der Lage, die Prozesse in Unternehmen vollständig entlang der Wertschöpfungsketten abzubilden, auszuwerten und zu steuern, da sie genau auf die Branchenanforderungen und branchentypischen Prozesse zugschnitten sind.

Eine gute Branchenlösung bildet meist bereits 80 bis 95 Prozent des Tagesgeschäfts „out-of-the-box“ ab, wodurch sich die Einführungsphase verkürzt, da weniger Zeit und Aufwand in individuelle Anpassungen investiert werden müssen. Zudem ist sie schlank, da sie genau die Prozesse abbildet, die für das jeweilige Unternehmen relevant sind. Generische Lösungen dagegen beinhalten meist Funktionen, die nicht benötigt werden und die Usability der Software beeinträchtigen.

Ein weiterer Vorteil von Branchenlösungen: Ihre Anbieter bringen Best Practices mit und kennen die Prozesse ihrer Zielbranche genau. Ein guter ERP-Anbieter ist daher nicht nur Softwarelieferant, sondern auch Prozessberater. Die Implementierung von ERP bedeutet auch immer eine Überprüfung und eine Optimierung der Unternehmensprozesse. Das hilft, sich auch auf neue Anforderungen vorzubereiten, wie zum Beispiel die zunehmende Digitalisierung der Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle.

Frage 2: Ist branchenspezifische Unternehmenssoftware grundsätzlich teurer als branchenneutrale Unternehmenssoftware?

Eine branchenspezifische Unternehmenssoftware ist zwar auf den ersten Blick oft teurer als eine generische Lösung, bringt dafür aber spezielle, auf die Branche zugeschnittene Module mit. Die Investition in eine Branchenlösung rechnet sich erfahrungsgemäß schon nach kürzester Zeit. Denn bei einer generischen Unternehmenssoftware müssen meist noch zeit- und kostenintensive Anpassungen vorgenommen werden, um branchenspezifische Prozesse abzubilden. Spätestens, wenn sich die Branchenanforderungen und Unternehmensprozesse verändern, rechnet sich die Investition in die Branchensoftware: Während Branchenlösungen meist automatisch und kostenlos Updates zur Verfügung stellen und somit direkt und flexibel auf Veränderungen reagieren, sind erneute Anpassungen bei der generischen Lösung umständlich und teuer.

Frage 3: Welche Branche(n) hat Ihr Unternehmen im Fokus und was sind die besonderen Herausforderungen an diese Branche für Ihre Software?

Wir haben auf Basis unserer CRM- und ERP-Komplettlösung Steps Business Solution verschiedene Branchenausführungen für den Mittelstand entwickelt und gewährleisten damit, dass unsere Kunden die passenden Werkzeuge für ihre individuellen Bedürfnisse haben. Wir bieten Lösungen für die Branchen IT, Handel, Service, Fertigung/Produktion sowie kommunale/s Abfallwirtschaft und Abfallmanagement im deutschsprachigen Europa.

Unsere Branchenausführung STEPS.IT ist beispielsweise auf die Bedürfnisse von Systemhäusern, Softwareherstellern und IT-Dienstleister ausgelegt. Prozessautomation und flexible Nutzungsmodelle spielen hier derzeit eine große Rolle. Für Systemhäuser ist es wichtig, auch kleinteiliges Geschäft nahtlos und automatisiert abzurechnen – Stichwort Managed Services. Dadurch werden die Management- und Abrechnungsprozesse anspruchsvoller. Mit STEPS.IT helfen wir unseren IT-Kunden dabei, den Wandel vom Systemhaus zum Managed Service Provider zu meistern und eine datenbasierte Unternehmenssteuerung sicherzustellen.

Mit LS BIZ richten wir uns an mittelständische Unternehmen aus dem Technischen Handel und Großhandel. Hier liegt die Herausforderung in erster Linie darin, standardisierte Prozesse zu automatisieren und jederzeit, auch mobil, alle Artikel und Kundendaten verfügbar zu machen. Weitere branchenspezifische Anforderungen sind zum Beispiel die Optimierung von Besuchsterminen und das Lieferantenmanagement.

Frage 4: Gibt es Vorteile oder Nachteile in der Alternative, eine (günstige / branchenneutrale) Standardlösung auf die eigenen Bedürfnisse zu individualisieren?

Wie bereits erläutert, ist die Individualisierung einer generischen Lösung meist teurer, als wenn man sich von vornherein für eine Branchenlösung entscheidet. Auch wenn es durch zeit- und kostenintensive Anpassungen möglich ist, die Prozesse vollständig abzubilden, kann im Falle neuer Branchenanforderungen mit einer Standardlösung nicht schnell und flexibel mit Updates reagiert werden. Der Grund dafür, dass Unternehmen dennoch oft die generischen Lösungen der großen Anbieter wie SAP oder Microsoft wählen, ist der, dass sie einer bekannten Marke schneller vertrauen. Die Wahl des richtigen ERP-Anbieters ist tatsächlich eine Vertrauensfrage, da es um hohe Investitionsvolumina geht und es sich um eine Entscheidung für mehrere Jahre handelt. Genau hinzuschauen, welcher Anbieter die individuellen Anforderungen und das Branchen-Know-how am besten abbildet, lohnt sich aber.

Frage 5: Was sollten Interessenten für Unternehmenssoftware beachten, um die Brancheneignung einer Software zu verifizieren oder sich für eine Individuallösung zu entscheiden?

Einen guten Anhaltspunkt bei der Verifizierung der Brancheneigung einer Software bieten die Best Practices des Anbieters. Außerdem sollten sich Unternehmen vom Anbieter genau erklären lassen, welche Prozesse die Software abbilden kann und welche Individualisierungsmöglichkeiten es zu welchen Konditionen gibt.

Bei der Wahl der Softwarelösung sollten Unternehmen zudem darauf achten, dass sie modular aufgebaut ist und die Möglichkeit weiterer Softwareintegrationen – wie beispielsweise für Dokumenten-Management-System, Kundenmanagement, Finanzverwaltung/Rechnungswesen, Business Intelligence oder Collaboration– mit sich bringt. ERP-Systeme sind Kern digitalisierter Unternehmensprozesse, denn hier laufen alle Datenströme zusammen. Prozessintegration und -automation ist von daher heute ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Nur eine umfassende Business Software kann das leisten.


Das Interview wurde schriftlich mit Robert Quotschalla, Bereichsleiter IT & Service Industry, der Step Ahead AG geführt

Robert Quotschalla ist Experte für Enterprise Resource Planning, Customer Relationship Management und Business Intelligence. Als Bereichsleiter IT & Service Industry der Step Ahead AG, Germering, kennt er zahlreiche Szenarien aus der Praxis.