ERP 2018, ein Rückblick in die Interviews – Fokus: Intelligente und Autonome Unternehmenssoftware (KI, Machine Learning)

Veröffentlicht am 27.02.2018

Der Blick in die Glaskugel ist für eine Wahrsagerin ein festes Ritual. Ähnlich ist es mit unserem Versuch, die ERP-Trends für das Jahr 2018 vorherzusagen für Intelligente und Autonome Unternehmenssoftware. Wir haben uns zum einen die Frage gestellt, was ERP-Hersteller umtreibt. Dazu gab es eine Interview-Reihe mit bekannten Softwarehäusern.

Wir hatten an unsere Interview-Partner folgende Frage gestellt:

Wie weit wird eine Unternehmenssoftware im Jahr 2018 intelligente und autonome Entscheidungen treffen können?

Seit der Nutzung von EDV (elektronischer Datenverarbeitung) in Unternehmen wird der Computer zum digitalen Mitarbeiter. Zu Anfang haben einfache Programme nur Hilfsarbeiten übernommen, beispielsweise die Speicherung von Kunden- und Auftragsdaten. Mit der Weiterentwicklung von rudimentärer Software zu professioneller Unternehmenssoftware (EAS) wird aus dem digitalen Hilfsarbeiter langsam aber sicher ein vollwertiger Mitarbeiter, der intelligente und autonome Entscheidungen trifft. Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning helfen diesem digitalen Helfer seine Kompetenzen zu verbessern und befördern Ihn zum festen Angestellten der Zukunft. Beispiel: Der Kauf eines Produktes im Webshop wird abgelehnt, wenn die Bestellmenge höher ist als die verfügbare Lagermenge und der Artikel nicht mehr beim Standard-Lieferant nachbestellt werden kann. Die Zukunft wird hier deutlich flexibler werden: Das an den Webshop angeschlossene ERP-System wird versuchen, den gewünschten Artikeln bei alternativen Anbietern zu bestellen oder vielleicht andere Produkte vorschlagen, die auf Basis des Kaufverhaltens und der Präferenzen zum Kunden besser passen. Diese neue Art der virtuellen Kundenbetreuung wird in Zukunft den Umsatzvorsprung gegenüber dem Mitbewerber ausmachen.

Hier die besten 5 Antworten unserer Interview-Partner:

Mario Baldi, CEO der Scheer GmbH:

Das Treffen intelligenter autonomer Entscheidungen durch Software wird der nächste große Schritt bei der Automatisierung von Prozessen sein. Im Jahr 2018 werden sich, insbesondere im Bereich RPA (Robotic Process Automation) erste intelligente Software-Roboter etablieren. Entscheidend für den Erfolg von RPA wird es sein, das Erstellen von Software-Robotern so zu vereinfachen, dass diese Technologie Unternehmen in der Breite zugänglich wird. Hier werden insbesondere selbstlernende Software-Roboter eine Rolle spielen. Die zunehmende Automatisierung von Entscheidungen verursacht allerdings auch Ängste. Aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen getroffen werden müssen, ist eine weitergehende Automatisierung für Unternehmen aber unumgänglich um wettbewerbsfähig zu bleiben. Den Besorgnissen kann man mit Hinweis auf die aktuellen Entwicklungen im Bereich Process Mining und KI überzeugend begegnen, denn diese bieten die notwendigen Lösungen zur intelligenten Überwachung automatisierter Vorgänge. Fazit: Es wird in Zukunft zu den wichtigen Aufgaben gehören, die automatisierten Prozesse zu überwachen und gegebenenfalls auch automatisiert korrigierend einzugreifen.

Das gesamte Interview dazu finden Sie hier: Interview mit Scheer zum Thema ERP 2018


Hier eine weitere Antwort unserer Interview-Partner:

Uwe Bergmann, Gründer und Vorstandsvorsitzender der COSMO CONSULT AG:

Was es in jedem Fall geben wird, sind datenbasierte Entscheidungshilfen. Das ERP-System analysiert dabei große Datenbestände und bereitet die Informationen entsprechend auf. Manager sind damit in der Lage, Entscheidungen schneller und sicherer zu treffen. Allerdings: Auch 2018 wird uns die Software noch keine Entscheidungen abnehmen. Die Technik wäre dazu zwar grundsätzlich in der Lage, doch wir Menschen müssen erst lernen, Künstlicher Intelligenz zu vertrauen. Zudem sind die meisten dieser Systeme eher außerhalb der ERP angesiedelt, nicht direkt in der Kernapplikation. Es besteht zwar ein Trend, Technologie wie Machine Learning direkt im ERP-System zu verankern, doch dieser wird sich erst in den kommenden Jahren verstärken. Künstliche Intelligenz bedeutet gleichzeitig eine stärkere Vernetzung mit der Cloud. Anders wären die enormen Datenmengen nicht zu verarbeiten. Hierfür muss nicht zwangsläufig die gesamte Geschäftslogik in die Cloud wandern, aber Teilbereiche in einem hybriden Umfeld.

Das gesamte Interview dazu finden Sie hier: Interview mit Cosmo Consult zum Thema ERP 2018


Hier eine weitere Antwort unserer Interview-Partner:

Mathias Reinecke, Senior Product Marketing Manager Cloud Solutions bei Exact Software Germany GmbH:

Dank maschinellem Lernen wird es nicht mehr lange dauern, bis Roboter und intelligente Computer Menschen lästige Arbeiten abnehmen werden. Die Roboter arbeiten in der Buchhaltung, der Datenverwaltung und in ähnlichen Bereichen anhand festgelegter Prozessworkflows und haben dort nur so viel Entscheidungskraft und Intelligenz, wie die im Workflow festgelegten Regeln zulassen. Aufgrund der heutigen, leistungsstarken Computer sind wir in der Lage, aus massiven Datensätzen Schlüsse zu ziehen und diese als Entscheidungsgrundlage zu nutzen. Daten, die vorher nicht händelbar waren, bekommen nun eine Struktur. Dadurch kann die Technik bei automatisierten Prozessen unterstützen und beispielsweise das manuelle Erfassen buchhalterischer Daten ersetzen. Letztlich wird aber der Mensch die Empfehlungen bewerten müssen, denn er alleine besitzt die notwendigen analytischen Fähigkeiten.

Das gesamte Interview dazu finden Sie hier: Interview mit exact zum Thema ERP 2018


Hier eine weitere Antwort unserer Interview-Partner:

Marc Drögsler, CTO bei der inovoo GmbH:

Bezogen auf den Anwendungsfall werden einfache Prozesse, wie Customer On-Boarding, Entscheidungsfindungen, z. B. Rechnung bezahlen (die einen Bestellbezug haben und Betrag kleiner „x“ ist), Fullfillment-Prozesse (wie „Willkommenspakete“ versenden) etc. in 2018 komplett von KI übernommen werden. Die Durchdringung des Marktes in Richtung KI aus ERP-Sicht wird dazu führen, dass Informationen schneller an den richtigen Stellen und in großem Umfang zur Verfügung stehen werden. Durch die damit verbundene breitere Datenbasis werden die Entscheidungen einfacher und trainierbarer werden, so dass in immer mehr, auch komplexeren Prozessen Entscheidungshilfen oder autonome Entscheidungen getroffen werden können.

Das gesamte Interview dazu finden Sie hier: Interview mit inovoo zum Thema ERP 2018


Hier eine weitere Antwort unserer Interview-Partner:

Dipl.-Ing. (FH) Hans-Jürgen Bayerl, Head of Software Development DELTA BARTH Systemhaus GmbH:

Dank der rasanten Entwicklung im Bereich maschinelles Lernen und KI sind hier große Fortschritte zu erwarten. Kurzfristig werden sich in 2018 autonome Entscheidungen in der Unternehmenssoftware auf die automatisierte Ausführung einzelner Prozessschritte unter Beachtung eines klar definierten Regelwerks beschränken. Mittelfristig können durch automatisierte „erlernte“ Entscheidungsfindungen auf Grundlage einer aufbereiteten Datenbasis auch komplexe Prozesse automatisiert abgewickelt oder zur Entscheidung vorgelegt werden.

Das gesamte Interview dazu finden Sie hier: Interview mit Delta Barth zum Thema ERP 2018